Die Straßenbahn vor dem Fenster
Ich war vielleicht drei Jahre alt. Wir wohnten im zweiten Stock in der Wiener Straße, und direkt unter unserem Küchenfenster fuhr die Straßenbahn vorbei. Jedes Mal, wenn sie quietschend um die Kurve bog, wackelten die Gläser in der Kredenz – und ich bin auf den Sessel geklettert, um hinauszuschauen.
Meine Großmutter hat mich dann immer festgehalten, an den Trägern meiner Schürze, damit ich nicht hinausfalle. Sie roch nach Kernseife und nach Zwiebeln, und sie hat jedes Mal dasselbe gesagt: „Schau, Mini, die fährt nach Urfahr. Da fahren wir auch einmal hin.“
Wir sind nie gemeinsam nach Urfahr gefahren. Sie ist gestorben, als ich sieben war. Aber wenn ich heute eine Straßenbahn quietschen höre, stehe ich wieder auf diesem Sessel, und jemand hält mich an der Schürze fest.















